Antiimperialismus und antifaschistischer Widerstand im 21. Jahrhundert

Solidarität mit politischen Gefangenen

Vortrag/Diskussion – Internationale Plattform gegen Isolation, Wien
(Samstag, 3. März, 10:30 bis 12 Uhr, Kursraum 8)

AktivistInnen verschiedener Zusammenhänge und Länder berichten über aktuelle Kämpfe und regen zu praktischer Solidarität an. Was ist Antiimperialismus und wie sollten wir uns zu aktuellen Klassenkämpfen verhalten?

Nuriye Gülmen und Semih Özakca (Fotoquelle: demokrathaber.org)

Bei der Veranstaltung wird es kurze Länderberichte zur

* Aktuellen Lage in den Phillippinen angesichts der gescheiterten Friedensgespräche und Perspektiven der Solidarität

* Politik gegenüber palästinensischen Gefangenen

* Kurzbericht zur erneuten Verschärfung in der Einlenkungspolitik gegenüber Lateinamerika am Beispiel Venezuela, Kuba und Honduras

* Zusammenfassender Bericht zum Kampf gegen die Ausnahmezustandsdiktatur in der Türkei und geplante Einführung der Gefängnisuniform

* Live-Videobotschaft von Nuriye Gülmen, Akademikerin in der Türkei, deren Widerstand gegen Massenentlassungen von Beamt*innen durch Notstandsgesetze, zusammen mit Grundschullehrer Semih Özakca im November 2016 auf der Yüksel Straße in Ankara begann. Täglich wurde die faschistische Politik herausgefordert, viele Siege innerhalb dieses Kampfes erzielt. Nach 324 Tagen Hungerstreik wird der Kampf auf der Straße mit gleicher Entschlossenheit fortgesetzt.

Mobilisierung der Massen – Subjektsein als Bewegung

Von Ich-Visionen zu Wir-Überzeugungen

Vortrag und Diskussion mit Sven Johann Koblischek
(Samstag, 3. März, 10:30 bis 12 Uhr, Kursraum 7)

Rosa Luxemburg bedient sich im Laufe ihrer politisch gefärbten Laufbahn zweier Medien: der mündlichen und der schriftlichen Rede. Beide Medien wiederum verweisen auf Textstrukturen, die für die Empfänger und Empfängerinnen überzeugend zu sein schienen: das Selbstverständnis vom Ich mündet in eine Selbstbestimmung des Wir. In diesem Vortrag stehen verschiedene Kommunikationsformen im Mittelpunkt, derer sich Rosa Luxemburg bedient hat, um Massen zu sammeln und zu mobilisieren. Dabei wird die Struktur der jeweiligen Kommunikationsform skizziert und heutigen Phänomenen wie den Sozialen Medien mit ihren Inhalten gegenüber gestellt. Am Beispiel der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) soll außerdem verdeutlicht werden, unter welchen Bedingungen Subjekte gewillt sind, sich zu einer größeren Menschenmasse zu vereinen, um als Bewegung aufzutreten.

Feindbild Russland. Geschichte einer Dämonisierung

Buchpräsentation von Hannes Hofbauer (Promedia Verlag)
(Samstag, 3. März, 10:30 bis 12 Uhr, Kursraum 6)

Die Typisierung „des“ Russen mit allerlei negativen Adjektiven beherrscht aufs Neue die Schlagzeilen deutschsprachiger Medien. Der dabei verwendete Singular ist ein untrügliches Zeichen für Distanz, Abscheu, Hass. Die meinungsbildenden Kräfte im Westen, so lehrt uns die Zeitgeschichte, freundeten sich mit Russland und seinen Führern nur in der Phase der Zerstörung der Sowjetunion an. Schon kurz darauf schlug die Freude über das Ende der kommunistischen Epoche in Skepsis um. Das alte Feindbild entstand neu.

Hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg herrscht im Westen wieder eine russophobe Grundstimmung. Washington und Brüssel erlassen Einreiseverbote gegen Diplomaten, verhängen Sanktionen, sperren Konten, schließen Russland aus internationalen Gremien aus, boykottieren sportliche Großereignisse und mobben „Russlandversteher“ in den eigenen Reihen. Ein Stellvertreterkrieg in der Ukraine verfestigt das gegenseitige Misstrauen.

Autor Hannes Hofbauer verfolgt das Phänomen der Russophobie zurück bis ins 15. Jahrhundert, als der Zar im Zuge der kriegerischen Reichsbildung gegen Nordwesten zog. Es ging um Herrschaft, Konkurrenz und Meereszugang. Der Kampf um reale wirtschaftliche und (geo)politische Macht wurde auch damals schon ideologisch begleitet: Der Russe galt seinen Gegnern als asiatisch, ungläubig, schmutzig und kriecherisch, Stereotypen, die sich über Jahrhunderte erhalten haben.

Das Feindbild-Paradigma zieht sich wie ein roter Faden durch die Rezeption Russlands im Westen. Aktuell reagiert diese empört auf die Politik des Kreml, der mit der Machtübernahme Wladimir Putins innenpolitisch auf Konsolidierung und außenpolitisch auf Selbständigkeit setzt. Die Wegmarken der neuen Feindschaft sind zahlreich. Sie reichen vom Krieg der NATO gegen Jugoslawien (1999) über die Verhaftung des Oligarchen Michail Chodorkowski (2003) und die Osterweiterung der NATO, den mit US- und EU-Geldern unterstützten „Farbrevolutionen“ bis zum Krieg um die georgischen Provinzen Abchasien und Südossetien (2008) und hinterlassen die bislang tiefste Kluft im Kampf um die Ukraine (2015), die am überwunden geglaubten West-Ost-Konflikt auseinander gebrochen ist.

„Feindbild Russland“ erzählt die Beziehungsgeschichte des Westens mit Russland und spürt den wirtschaftlichen und geopolitischen Grundlagen der Russophobie nach.

Der Autor

Hannes Hofbauer, geboren 1955 in Wien, studierte Wirtschafts- und Sozialgeschichte und arbeitet als Publizist und Verleger. Im Promedia Verlag sind von ihm zum Thema erschienen: „EU-Osterweiterung. Historische Basis – ökonomische Triebkräfte – soziale Folgen“ (2008) und „Die Diktatur des Kapitals. Souveränitätsverlust im postdemokratischen Zeitalter“ (2014).