Jiddische Revolutions- und Widerstandslieder

Musikalische Eröffnung der III. Rosa Luxemburg Konferenz von Isabel Frey

Freitag, 13. März 2020, 15:15 – 16:00 Uhr
VHS Hietzing (großer Saal)
facebook-Veranstaltung

Isabel Frey macht revolutionäre jiddische Musik und setzt sich mit der jüdischen Diaspora auseinander. Bekannt geworden ist die junge Künstlerin einer größeren Öffentlichkeit durch ihre Auftritte bei den Donnerstagsdemos in Wien.

Isabel träumt von „einer Welt, wo wir unserer Kreativität freien Lauf lassen können und unsere Handlungen aus eigener Motivation heraus mit dem Wunsch setzen, einander zu helfen oder etwas Neues zu schaffe… und ich wünsche mir eine Art des Zusammenlebens im Einklang mit der Natur, die anerkennt, dass unser Planet bedroht ist“, erzählt sie im Interview mit Alexander Stoff (Unsere Zeitung). Das passt perfekt zu Rosa Luxemburg und zur Eröffnung der III. Rosa Luxemburg Konferenz in Wien unter dem Motto: „Rosa for Future“

Ejns,
tswej,
draj,
fir,
arbetlose senen mir,…

In weiterer Folge:

Workshop mit Isabel Frey: Jiddische Arbeiter*innenlieder

Freitag, 13. März, 18:00 bis 19:30 Uhr (Kursraum 1)

„Plädoyer eines Märtyrers“

Eine Groteske

Szenische Lesung von Peter Veran im Rahmen der III. Rosa Luxemburg Konferenz 2020

Samstag, 14. März 2020, 17 Uhr
VHS Hietzing (großer Saal)
facebook-Veranstaltung

Österreich im Jahr 2020: 86 Jahre nach dem Aufstand im Februar 1934 gegen die sich verfestigende Diktatur wird der damalige Bundeskanzler Engelbert Dollfuß aus seinem Grab in Wien-Hietzing exhumiert. Man setzt ihm ein selbstheilungskraftaktivierendes, linksgedrehtes Licht-Stammzellenpflaster einer lebensberatenden Verganzheitsmedizinerin exakt an jene Stelle, an der einst die Zirbeldrüse gesessen sein mag. Dann stellt man ihn vor Gericht.

In diesem Rahmen spielt Peter Verans literarische Groteske, in der sich Engelbert Dollfuß vor Gericht, vor der Geschichte und vor der LeserInnenschaft rechtfertigen muss. Die Anklagepunkte sind umfassend: Vielfacher Mord, schwere Körperverletzung, Folter, Hochverrat, Landfriedensbruch, Erpressung, tausendfache Freiheitsentziehung, Raub, Diebstahl und Amtsmissbrauch werden als Tatbestände genannt. Darauf muss der im Juli 1934 von Nationalsozialisten ermordete und später zum Märtyrer stilisierte Ex-Diktator eine Antwort finden.

Nach der kurzen Aufnahme der Personalien legt Dollfuss gleich los. Sachgerecht beraten von seinem Verteidiger ist ihm bewusst, dass die vorgeworfenen Tatbestände erfüllt sind; und zwar nach dem geltenden Recht zum Zeitpunkt seines Verfassungsbruches ebenso wie nach heutiger Judikatur. In einem hochtrabenden Eingangsplädoyer tritt er die Flucht nach vorne an und erklärt dem hohen Gericht seine Motive, seine Ziele und seine Handlungsspielräume. Seine Taten seien gerechtfertigt, zumindest entschuldbar, juristisch sowie moralisch. Er und seine Anhänger hätten sich in einem Notstand befunden und gar nicht anders handeln können, um großen Schaden von Österreich und seinem Volk abzuwenden.

Peter Veran lässt im zweiten Teil seiner Groteske dem Redeschwall des Märtyrers – vor dem kenntnisreich recherchierten, historischen Hintergrund – freien Lauf. Der Autor legt dabei seinem Protagonisten historische ebenso wie aktuelle Sprache in den Mund und verknüpft Dollfuß‘ Vortrag mit der gegenwärtigen politischen Situation in Österreich.

Im dritten Teil antwortet die vorsitzende Richterin des Geschworenengerichts prägnant und pointiert dem Märtyrer – und widerspricht damit einer Geschichtsauffassung, die Österreichs Gang in Faschismus und Diktatur noch heute schönreden will.

LESEPROBE: Der Märtyrer weiß, was es geschlagen hat…(Die Anfänge)

Der Autor

Werner Anzenberger ist Peter Veran

Peter Veran ist das literarische Pseudonym des 1962 in Leoben geborenen, promovierten Juristen und Historikers Werner Anzenberger. Er hat zahlreiche Publikationen zum Austrofaschismus vorgelegt, darunter „Absage an eine Demokratie. Karl Kraus und der Bruch der österreichischen Verfassung 1933/34“ (1997), „Widerstand für eine Demokratie: 12. Februar 1934“ (2004), „Die österreichische Diktatur – Ein faschistisches Gewaltregime?“ (2017) sowie „130 Jahre Koloman Wallisch. Ein sozialer Gestalter zwischen Demokratie und Diktaturen“ (2019). Webseite: www.werneranzenberger.at