Antifaschismus heute

Vortrag und Diskussion – Herbert Auinger (Promedia Verlag)
(Samstag, 3. März, 14:00 bis 15.30 Uhr, Kursraum 11)

Eines muss man der türkis-blauen Regierung zugestehen: Sie hat eine Welle des empörten zeitgenössischen „Antifaschismus“ losgetreten. Bei genauerem Hinsehen stellt sich allerdings schon die Frage, was das alles soll. Die aufgeregten Beiträge sind auf ihre Art sehr aufschlussreich, sie geben Auskunft über die Maßstäbe der Ablehnung von Beiträgen, die heutzutage als faschismusverdächtig gelten, und sie machen verständlich, warum es den vordergründig angefeindeten Freiheitlichen so leicht fällt, sich in die antifaschistische Einheitsfront einzureihen. Darüber soll diskutiert werden, und dazu die aktuellen Beispiele:

Antifaschismus heute

Da wäre einmal diese großartige Liederbetätigung-Affäre: Ein Songbook von Wr. Neustädter Germanen macht Schlagzeilen. Zu Recht! Nicht nur, dass die Sangeskünstler in vorauseilendem Gehorsam schon selber die inkriminierten Strophen aus dem Verkehr gezogen hatten – für ein paar Sekunden war über die Ablehnung der neogermanischen Dichtkunst endlich einmal die nationale Einheit hergestellt; niemand, wirklich niemand wollte abseits stehen in der demonstrativen gemeinsamen Abscheu vor den – womöglich „satirisch“ gemeinten? – Versen. Selten wurde jedenfalls so genüsslich in allgemeiner Empörung geschwelgt. Warum? Weil doch die Angelegenheit so herrlich unpolitisch ist! Wirklich nichts und niemand aus dem heutigen politischen Leben ist tangiert, mit aktuellen Unterscheidungen zwischen mehr oder weniger wertvollen, mehr oder weniger in Österreich existenzberechtigten Menschensorten hat das alles nicht zu tun.

Der Innenminister („KZ-Kickl“) ist hingegen genau damit befasst: Er provoziert aktiv den Vergleich der angekündigten österreichischen Asylwerberhaltung mit jenen Lagern, in die früher die – aus der Sicht der damaligen Obrigkeit – menschlichen Problemfälle gesteckt wurden. Das tut Kickl, um den Vergleich abschmettern zu können: „Konzentrierte“ Menschenhaltung von Leuten, die weder angeklagt noch verurteilt wurden, könne doch mit „Begrifflichkeiten“ des Nationalsozialismus nichts zu tun haben. Die Aufregung darüber ist – verglichen mit dem Getöse über die Germanen-Poesie – übrigens sehr endenwollend, und wenn doch, dann ist sie bodenlos: Sie gilt nämlich der „Wortwahl“. Dem Innenminister fehle es an „Sensibilität“ – natürlich nicht den Betroffenen, sondern der Sprache gegenüber! Demokraten legen offenbar großen Wert darauf, über nicht sehr unterschiedliche Phänomene sehr unterschiedlich zu schwätzen! Damit jeder – an der Sprache, an der Wortwahl, woran denn sonst!? – merkt, dass demokratische Menschenkategorisierung und -behandlung einfach unvergleichlich ist … (www.unsere-zeitung.at)

Die Erfolge dieses antifaschistischen Schwachsinns sind unübersehbar: Eine FPÖ-Funktionärin hat die Lektion jedenfalls gelernt und ist tief betroffen. „Das war mir nicht bewusst, dass ‘Untermensch’ ein Nazi-Wort ist“, erklärt sie auf Anfrage des STANDARD; das entsprechende Posting wurde gelöscht. Die Rede war übrigens von Flüchtlingen, die ohne ihre Familien auf der Flucht sind. Wie die Beschimpfung gemeint ist, geht aus der Stellungnahme glasklar hervor, aber der Erfolg der antifaschistischen Sprachpolizei ist unübersehbar: Wenn wir über Untermenschen reden tun, dann tun wir das Wort „Untermenschen“ sehr behutsam vermeiden tun! Die FPÖ-Frau „distanziert“ sich also ausdrücklich, von der Wortwahl. – Was ist das, so eine „Distanzierung“? Einerseits unterstellt sie die Nähe zum inkriminierten Phänomen, sonst wäre eine Distanzierung gegenstandslos, andererseits wird einfach das Gegenteil behauptet – hier mit dem interessanten Hinweis, dass bei aller Übereinstimmung in der Sache die semantische Distanz zum Nationalsozialismus gegeben sein muss. Was ist der Unterschied zwischen „Distanzierung“ und „Heuchelei“ oder „Selbstverleugnung“ oder „Schönfärberei“?!

Kurier.at 4.2.2018: „Es begann mit einem Tweet des KURIER-Herausgebers Helmut Brandstätter, in dem dieser auf ein Facebook-Posting von Heinz-Christian Strache einging. Worauf der FPÖ-Sprecher Martin Glier ohne erkennbaren Zusammenhang antwortete: ‘Ich finde, das sollten Sie wissen. Sie nennen sich schließlich ja auch so: Brandstätter war ein Blutzeuge der nationalsozialistischen Bewegung, der während des sogenannten Juliputsches ums Leben kam.’“ Der vermisste „Zusammenhang“ ist schon erkennbar: Wenn ein FPÖ-Sprecher eine Antwort sucht, dann sucht er kein Argument, sondern Material, und zu dem Behuf betreibt er Ahnenforschung. Weiter im Text: „Brandstätter erklärte daraufhin – abgesehen davon, dass er mit dem von Glier erwähnten ‘illegalen Kärntner Nazi nicht verwandt’ sei: ‘Das Wort ‚Blutzeuge‘ ist schon wieder ein Nazi Ausdruck.’ … Wikipedia ‘will er, Glier, zitiert haben, schreibt Straches Sprecher, und unterstreicht dies mit einem Screenshot. Nur handelt es sich dabei … um einen Eintrag der in einschlägigen Kreisen bekannten, rechtsextremen ‚alternativen Enzyklopädie‘ Metapedia … Glier will das nicht gewusst und mitbekommen haben, entschuldigte sich einige Stunden später und löschte den ursprünglichen Beitrag. ‘Nach den zahlreichen Hinweisen, dass es sich bei Metapedia um eine rechtsextreme Seite handelt, ziehe ich meinen Tweet mit Bedauern zurück. Danke für die Info. War mir nicht bewusst.’ (twitter)“ Klar, woran soll denn auch ein Strache-Intimus eine „rechtsextreme“ Seite erkennen? Alles so normal dort, so vertraut, so geläufig! Immerhin: Er selber erkennt zwar keinen „Rechtsextremismus“, wenn er einen sieht, aber sobald es ihm gesagt wird, ist er dankbar und distanziert sich brav … Soll das ein Erfolg sein? Inwiefern?

Und diese Scherze waren vermutlich nur der Anfang: Die Partei hat eine „Historikerkommission“ angekündigt, die wieder mal „aufarbeiten“ soll: Da wird also Material aus der Parteigeschichte gesucht und ganz bestimmt gefunden, nur um sich öffentlich davon „distanzieren“ zu können. – Noch einmal die Frage: Was ist also eine „Distanzierung“? Einerseits unterstellt sie die Nähe zum inkriminierten Phänomen, sonst wäre eine Distanzierung gegenstandslos, andererseits wird einfach das Gegenteil behauptet. Was ist der Unterschied zwischen „Distanzierung“ und „Heuchelei“ oder „Selbstverleugnung“ oder „Schönfärberei“?!

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